Schmerzensgeld für Angehörige/ Hinterbliebenengeld

Schockschäden und Hinterbliebenengeld

Wird ein Angehöriger bei einem unverschuldeten Unfall getötet stehen den hinterbliebenen Angehörigen regelmäßig Ansprüche wegen Unterhaltsschäden zu. Verstirbt z.B. der hauptverdienende Ehepartner, so kann der andere Ehepartner und die Kinder quasi die weggefallenen Unterhaltsansprüche gegenüber dem Unfallverursacher bzw. seiner Versicherung durchsetzen. Grundsätzlich ist die Familie dann finanziell so zu stellen, wie vor dem Unfall. Dies gilt dann für den so lange, als der Getötete während der mutmaßlichen Dauer seines Lebens zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet gewesen sein würde. (§ 844 BGB).

Hinterbliebenengeld

Den Schmerz über den Tod des Angehörigen kann niemand ersetzen. Auch noch so hohe Geldzahlungen sind kein Trost. Dennoch besteht seit 2017 die Möglichkeit ein sogenanntes Hinterbliebenengeld für nahe Angehörige geltend zu machen. Derzeit ist davon auszugehen, dass hier Beträge zwischen 10.000 – 50.000 € realisierbar sind. Es wird sich zeigen, in welcher Höhe die Gerichte Hinterbliebenengelder zusprechen.

Ein Hinterbliebenengeld steht nahen Angehörigen zu. § 844 Abs. 3 BGB bestimmt: Der Ersatzpflichtige hat dem Hinterbliebenen, der zur Zeit der Verletzung zu dem Getöteten in einem besonderen persönlichen Näheverhältnis stand, für das dem Hinterbliebenen zugefügte seelische Leid eine angemessene Entschädigung in Geld zu leisten. Ein besonderes persönliches Näheverhältnis wird vermutet, wenn der Hinterbliebene der Ehegatte, der Lebenspartner, ein Elternteil oder ein Kind des Getöteten war.

Aber auch anderen Angehörigen kann ein Hinterbliebenengeld zustehen. So können auch Großeltern oder Tanten oder Onkel Ansprüche auf ein Hinterbliebenengeld haben. Es wird sich in Zukunft zeigen, in welchen Fällen die Gerichte ein besonderes Näheverhältnis bejahen.

Schockschaden

Führt der Tod des Angehörigen in einem besonderen Maß zu physischen oder psychischen Beeinträchtigungen bei einem Angehörigen, so steht diesem ein Schadensersatzanspruch auf Schmerzensgeld wegen eines sog. Schockschadens zu. Der Bundesgerichtshof hat ein Schockschaden insbesondere bejaht, wenn ein Familienmitglied bei einem Unfall mit ansehen musste, wie der Angehörige stirbt und dadurch in besonderem Maße traumatisiert wurde.

Der Bundesgerichtshof hat in zahlreichen Urteile deutlich gemacht, dass eine Ersatzpflicht für psychisch vermittelte Beeinträchtigungen nur da bejaht werden können, "wo es zu gewichtigen psychopathologischen Ausfällen von einiger Dauer kommt, die die auch sonst nicht leichten Nachteile eines schmerzlich empfundenen Trauerfalls für das gesundheitliche Allgemeinbefinden erheblich übersteigen und die deshalb auch nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder der Gesundheit betrachtet werden (BGH NJW 1989, NJW Jahr 1989 Seite 2317, NJW Jahr 1989 Seite 2318). Die Gesundheitsbeschädigung muss also nach Art und Schwere über das hinausgehen, was nahe Angehörige in derartigen Fällen erfahrungsgemäß an Beeinträchtigungen erleiden (BGH aaO)."

In der Vergangenheit wurden Mandanten Schockschäden von 10.000 € bis zu 100.000 € zugesprochen.

Lesen Sie im Folgenden einige beispielhafte Entscheidungen zu Schockschäden und zum Hinterbliebenengeld. Haben Sie Fragen zum Thema Schockschaden und Hinterbliebenengeld? Dann melden Sie sich gerne. Rufen Sie einfach an unter 05231/ 308140 oder schreiben Sie uns an pott@rpp.de oder nutzen Sie das untenstehende Formular. Vielen Dank!

P.S: Unfallgeschädigte können nach einem Verkehrsunfall auf Kosten des Unfallgegners einen Rechtsanwalt mit der Unfallregulierung beauftragen, wenn der Unfallgegner den Unfall allein verschuldet hat.

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Schmerzensgeldtabelle für Schockschäden

Besonderheiten des Unfalls Schmerzensgeldbetrag Gericht
Die Kl. hat sich in mehr als 12 Jahren seit dem Unfall zahlreichen ambulanten und stationären psychiatrischen Behandlungen unterzogen – zweimal kürzere Zeit nach dem Unfall gemeinsam mit ihren Kindern im Rahmen einer Mutter-Kind-Kur. Sie nimmt nach wie vor Medikamente. Die bisherigen therapeutischen Maßnahmen haben keine dauerhafte Verbesserung ihres Zustands bewirken können. Die Kl. wird versuchen müssen, mit ihrem schweren Trauma zu leben und so genannte „Trigger“-Situationen, die zu einer Retraumatisierung führen können, zu vermeiden. Sie hat zum Beispiel eine Angst vor dem Autofahren entwickelt. Früheren Hobbys wie der Gartenarbeit und dem Skilanglauf kann sie nicht mehr nachgehen. 100.000 € OLG Frankfurt, Urteil vom 6.9.2017 – 6 U 216/16
Tod von drei Kindern. Schwere Depression, alkoholisierter Unfallverursacher umgerechnet 45.000 € für beide Elternteile zusammen OLG Nürnberg, Urteil vom 1. 8. 1995 - 3 U 468/95 Hinweis: Die Schmerzensgeldbeträge sind seit diesem Urteil deutlich gestiegen
Die Benachrichtigung von dem Unfalltod seiner Tochter führte bei dem Kl. zu schweren psychischen Beeinträchtigungen. Er wurde zunächst von einem Notarzt und sodann von seinem Hausarzt mit Beruhigungsmitteln behandelt. Wegen akuter Selbstmordgefahr die stationäre Einweisung des Kl. in eine psychosomatische Klinik für 2 Monate. Der Kl. hat behauptet, er leide aufgrund des Unfalls unter einer chronischen Depression, die Krankheitswert besitze. Er könne den Tod seiner Tochter nicht überwinden. Sein Leben erscheine ihm sinnlos. Er könne nachts nicht mehr durchschlafen, habe Alpträume und wache dann morgens schweißgebadet auf. Es sei nicht absehbar, wielange er noch psychiatrischer Behandlung bedürfe. umgerechnet 10.000 € OLG Oldenburg, Urteil vom 1. 12. 1998 - 5 U 127–98
12 und 15j. Kinder. Die Kinder saßen im Wohnzimmer beim Fernsehen, während sich ihre Mutter und der Beklagte auf dem Balkon befanden. Sie hörten zwei Schüsse und sahen, wie ihre Mutter blutüberströmt zusammenbrach, ehe noch der dritte Schuss fiel. jeweils 5.000 € für jedes Kind OLG Nürnberg Urteil vom 27.02.1998 - 6 U 3913/97